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Dan Wesson 15-2V 357.Mag. -der bessere Wesson?

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Mindfreeq
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Dan Wesson 15-2V 357.Mag. -der bessere Wesson?

Beitrag von Mindfreeq » Di 6. Apr 2021, 10:42

Grüsse euch.

Da hier im Forum relativ wenig über diesen tollen Revolver steht da er ein echter Exot ist, schreibe ich mal einen kleinen Bericht.
Der hoffentlich im Laufe der Zeit mehr wird, ergo werde ich immer wieder mal was, wie ich eben dazu komme hinzufügen.
Ich hoffe euch mit ein paar Zeilen zu diesem Gerät erfreuen zu können.

Es geht hier um den Dan Wesson 15-2V Revolver. Die Infos habe ich Teils aus eigener Hand, teils im Internet aus Amiforen zusammengesucht.
Ich bitte daher um Verständnis wenn sich hier und da ein Fehler eingeschlichen hat bzw etwas nicht ganz so akkurat erscheint, man kann es eben schwer prüfen und ich schreibe hier auch keine Diplomarbeit sondern möchte euch einfach diesen Revolver und seine Geschichte ein wenig näherbringen. Das gilt auch für die Bilder die ich mit meiner Smart-Kartoffel gemacht habe :lol:

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Bei dem Namen Wesson wird es bei so manchem in den Ohren Klingeln und ein Gefühl von Bekanntheit auslösen. Es geht hier aber nicht um Smith and Wesson Revolver, nicht in dem Sinne. Sondern wie man so schön sagt um den besseren Wesson. Aber stimmt das auch?

Daniel B. Wesson der zweite, Urenkel von Daniel Baird Wesson (Gründungsmitglied von Smith and Wesson), hat nach dem das Familienunternehmen verkauft wurde, gemeinsam mit Karl Lewis ein eigenes Unternehmen gegründet- D. B. Wesson Inc.
Das Know How, zumindest was die Technik betraf hatten sie ja.
Durch seine Arbeit als Werkzeugmacher bzw da er von 1938 bis 1963 bei S&W beschäftigt war hatte Dan Wesson die idealen Voraussetzungen dafür. Gemeinsam mit Karl Lewis (unteranderem beschäftigt bei Browning und Colt und hat unter anderem auch für diese beiden Firmen entwickelt) der für einen Grossteil der Patente verantwortlich war (unter anderem auch der erste austauschbare Lauf an einem Revolver) die sie in dieser Zeit in ihrer Fabrik in Monson geschaffen haben, träumten von einer rosigen Zukunft, die leider so nicht eintraf. Denn wo sie technisch die Nase vorn hatten umso weniger wussten sie über Unternehmensführung bescheid, die sie leider sehr vernachlässigt haben. Erfinden und Konstruieren war/ ist halt einfach interessanter als Buchhaltung, ich kann sie verstehen. ;) Das Unternehmen krachte und grammelte schon nach kurzer Zeit wie eine Kaisersemmel und wurde im Laufe der Jahre mehrmals verkauft und Unbenannt bis es heute den Namen Dan Wesson trägt (zu Ehren seines Gründers) und 2005 schließlich von CZ gekauft wurden und nach Palmers nun in Norwich/ New York ihren Firmensitz haben.

Konkret geht es hier aber um den Dan Wesson Modell 15-2 in der V Variante. Das „V“ steht hier für Ventilated und bezieht sich auf die Löcher oberhalb des Laufes. Es gibt noch das Model VH was für Ventilated Heavy steht und bedeutet das neben den Löchern auch ein Massiver Underlug vorhanden ist. Das „Standard“ Model ist der 15-2, der ein wenig einem S&W ähnlich sieht, aber nur ein wenig.

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„Mein“ Dan Wesson, ist ein sogenanntes Monson Modell aus dem Jahr 1979.
Monson Model bedeutet, das es eines der begehrteren Stücke ist, da man ihnen eine besondere Qualitäts- und Endkontrolle Nachsagt. Im Gegensatz zu den nachfolgenden Generationen, welche in Palmers hergestellt wurden. Diese genießen ungefähr den selben Ruf den Astra Zeneca in Europa hat. Obwohl man die selben Maschinen wie in Monson benutzt hat. Dürfte was man so in Ami Foren zu lesen bekommt, es bei einer grösseren Anzahl an Revolvern aus der ersten Zeit aus Palmers zu einige Qualitätsmängeln gekommen sein, diese wurden allerdings was ich so gehört habe zur Gänze ausgemerzt.
Die üble Nachrede bleibt aber leider erhalten, wie es halt immer so ist.
Der unterschied zu den Stücken aus Monson war eben die Qualitätskontrolle bzw. die Endkontrolle.
Während in Monson kein Revolver des Werk verließ ohne das Dan Wesson ihn nicht mindestens einmal in der Hand gehalten hatte wurde diese in Palmers angeblich sehr vernachlässigt. Monson ist ein Ort in Massachusetts, Palmers übrigens auch ;)
Der Europäische Bestand dieser Waffen ist übrigens äußerst Gering und daher sehr schwer zu bekommen, das gilt besonders für die Monson Modelle. Da jemand der so einen besitzt ihn in der Regel nicht mehr her gibt 8-)

Die erste Besonderheit (eine von vielen) die der Dan Wesson besitzt betrifft die Trommelverriegelung, die bei S&W und bei allen anderen Revolvern hinter der Trommel sich befindet ist hier nämlich vorne, vor der Trommel angesiedelt.
Ist ein wenig gewöhnungsbedürftig das ganze da sich die Handhabung beim entriegeln eine ganz andere ist diejenige welche ich bisher kannte. Aber das ist alles Gewöhnungssache, auch wenn ich es jetzt als ein bisschen Fummelig betrachte.

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Die wirkliche Besonderheit ist aber doch eigentlich der Lauf, sie ist aber nur eine von vielen.
Entwickelt wurde der Revolver nämlich so, das der Endkunde zu jeder Zeit und ohne einen Büchsenmacher zu benötigen einfach selbst den Lauf tauschen konnte.

Beim sogenannten „Pistol Pac“ einem Set bestehend aus einem Revolver im Kaliber 357 Magnum, und 4 verschiedenen Läufen. Einem 2 1/2“, 4“, 6“ und einem 8“ der sich grosser Beliebtheit als Silhouetten Revolver erfreute.
Der Laufwechsel geht überraschend einfach und schnell von der Hand. Im Pistol Pac ist alles enthalten was man so dafür braucht.
Mit dem zugehörigen Werkzeug wird die Mutter oben am Lauf gelöst, (diese hält den Lauf unter Spannung und darf auch nicht zu fest angezogen werden, da es sonst zu Störungen kommen kann) diese Mutter wird ganz runtergeschraubt, dann lässt sich der Laufmantel entfernen und zu guter Letzt kann ich den Lauf einfach per Hand hinausschrauben.
Jetzt schraube ich einfach den Wechsellauf hinein, verwende die mitgelieferte Fühlerlehre und stelle damit den Trommelspalt ein. Und zwar genau 0.06mm. Für mich als Perfektionist gar nicht so einfach, eigentlich ein richtiger Kampf, man darf nicht vergessen der Revolver ist aus den 70iger Jahren, bedeutet die Trommel ist nicht so 100 Prozent plan, wie man das mit Modernen Maschinen schaffen würde. Das heißt die Trommel einmal im Kreis drehen und so den „grössten“ Spalt raussuchen. Manche stellen diesen Spalt absichtlich ein wenig größer auf zb. 0.08mm. Das Problem ist wenn der Spalt zu klein wird, durch zb. Verschmutzungen kann es zu Störungen kommen. Der ideale Trommelspalt ist irgendwo zwischen 0.05 und 0.1 mm. Dan Wesson spricht hier eindeutig von 0.06mm und hat auch die Fühlerlehre die im Pistol Pac vorhanden ist so dimensioniert. Diese lege ich einfach zwischen Trommel und lauf so das sie sich noch minimal und ohne viel Anstrengung bewegen kann. Anschließend kommt der Laufmantel wieder drauf der Mittig einrastet und dieser wird mit der Laufmutter wieder fixiert. Eine Arbeit von maximal 5 Minuten... wenn man nicht gerade 15 Minuten lang den perfekten Trommelspalt sucht.
Ausserdem ein wenig knifflig, sobald ich die Mutter zum Spannen/fixieren befestige kann es passieren das sich der Lauf ein wenig "nachdreht" daher vielleicht ein wenig mehr einstellen, anschließend Trommel ausschwenken und dann mit dem Finger halten... Die Amis nennen das "A real pain in the Butt" :lol:
Für mich der größte Pluspunkt der Waffe, je nach Laune kann man mit einem 4 Zoll Service Revolver Schießen oder mit einem 8 Zoll Silhouetten, bzw. geht’s zum Bewerb nimmt man einfach wieder den 6 Zoll Lauf.

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In diesem Pistol Pac, haben wir neben der Blattlehre und dem Werkzeug zum Laufwechseln mit dem ich die ganze Waffe zerlegen kann auch noch einen Combat Griff dabei. Gefallen, ist so eine Sache. Mir gefällt er NICHT! Ich habe ihn noch nicht probiert vielleicht schießt er ja ganz gut, aber das Auge isst ja bekanntlich mit. Der Griff wird nur auf den Dorn im Rahmen drauf geschoben und von unten angeschraubt. Aufpassen muss man allerdings da sich dort die Federn für den Schlossgang befinden das ich den Griff nicht zu Fest anschraube, sonst kann es zu Störungen (Light Strikes) im Double Action kommen.

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Der "Dorn"

Wechselkimmen sind auch dabei, in Weiß und Gelb, Montiert sind sie in der Farbe Rot. Diese werden einfach mit einer Schraube die im Lauf vorne versteckt ist befestigt. Ich finde die Rote nicht schlecht da diese nicht so stark reflektiert. Das Weiße erinnert mich ein wenig an das Visier der Glock. Ausprobieren konnte ich nur das Rote.

Der Koffer in dem das ganze geliefert wird, hat zwar schon bessere Zeiten gesehen sieht aber für Baujahr 1970 ganz passabel aus und hat diesen Möbelhaus aus den 70igern Charme. Einfach toll.

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Leider nicht vorhanden oder im Lauf der Jahre verlorenen gegangen die Gürtelschnalle und der Patch. Wäre ein schöner Bonus zu der schon tollen Waffe gewesen.

Ein wenig Sorgen mache ich mir nur um die Ersatzteilversorgung wenn mal etwas Kaputt werden sollte, hier hoffe ich bzw. setze ich auf CZ die doch einen (zumindest wenn es um ihre Waffen geht) sehr guten Kundendienst haben. Aber auch hoffe/denke nicht das so schnell etwas Kaputt wird.
Verwendet werden hochverdiente 4110 Chrom-Molybdän-Stähle, das Schlosswerk ist äußerst Robust und sehr unauffällig gegen Verschmutzung. Die Schrauben und Torsionsfedern sind praktisch unzerbrechlich.
Bestellt habe ich mir auf Reserve ein Federnkit, besser haben und nicht brauchen als anders rum.

Eine Originale Beschreibung gabs dazu, da in den 70igern das Englisch von den meisten Leuten aber nicht sonderlich gut war, wurde sie vom BÜMA mit der Schreibmaschine in Deutsch abgetippt.

Das Visier ist verstellbar und der Abzug besitzt einen Trigger Stop.
Zum Abzug kann ich nur sagen, Traumhaft. Bricht Glasklar fast kein Vorweg. Im Double Action (nur im Trockentraining getestet) sehr angenehm.

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Leider konnte ich sie erst eine Viertelstunde am Stand austesten. Corona machts leider bissl schwer derzeit.
Eine Viertelstunde ist sehr wenig daher konnte ich auch nur den 6“ Lauf testen.
Sobald der Stand von meinem Verein wieder öffnet und ich mich den ganzen Tag dem Revolver widmen kann werde ich ein wenig mehr dazuschreiben und auch ein paar Bilder nachreichen aber bis dahin muss das eben reichen.

Da ich seit knapp 1.5 Jahren nicht mehr schießen war, die Lichtverhältnisse für mich dort überhaupt nicht passen sind die Ergebnisse mehr als bescheiden. Ich finde die Gruppe an sich aber gar nicht mal soooo schlecht, bzw. Ich sehe was für ein Potential der Revolver besitzt und mit ein Wenig Übung werde ich das hoffentlich auch bald ausreizen können.

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Ich freue mich auf die nächsten Besuche, dann werde ich mir das Visier so einstellen wie ich es brauche und werde dann weiter berichten.

Hier mit 2.5" Lauf und gelbem Korn mit montiertem Combatgriff (nicht mein Fall)

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Und hier mit dem "originalen" Holzgriff mit DW Logo

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Guns are like Potato Chips, you can't have just ONE... :mrgreen:

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Re: Dan Wesson 15-2V 357.Mag. -der bessere Wesson?

Beitrag von Spitfire » Mo 3. Mai 2021, 20:51

Glückwunsch, wunderschönes Teil!! Danke für den aufwändigen Thread!

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