Bitte beachten Sie die neuen Nutzungsbestimmungen auf viewtopic.php?f=41&p=816443#p816443 und Spenden Sie für das Forum.

Testbericht zur ISD BSR 47 in 7,62x39 mm

Erfahrungsberichte und Tests von Waffen, Zubehör und Ausrüstung. Achtung, Beiträge müssen nach der Erstellung erst freigegeben werden um eine gewisse Qualität sicherzustellen!
Antworten
Benutzeravatar
Hauptsacheesknallt
.357 Magnum
.357 Magnum
Beiträge: 123
Registriert: So 12. Jan 2020, 00:07

Testbericht zur ISD BSR 47 in 7,62x39 mm

Beitrag von Hauptsacheesknallt » Mo 7. Jun 2021, 18:06

Bild
Bild 1: ISD BSR 47 in 7,62x39

Da es bereits Testberichte zu diversen AK-Herstellern gegeben hat, wollte ich dementsprechend auch meinen Senf dazugeben.

Ich bin seit Jänner 2020 Besitzer einer ISD BSR 47. Da ich von Anfang an einen Underfolder-Klappschaft wollte, habe ich mich für dieses Model entschieden.

Allgemeine Daten

Kaliber: 7,62 x 39mm
Lauflänge: 40 cm, hartverchromt, Standard Mündungsgewinde (M14x1L)
Gewicht: 3.3 kg (ungeladen)
Trunnion: geschmiedet

Die Kosten belaufen sich (nach einer schnellen Suche) zwischen Euro 985,-- und 1.190,--. Ich habe über einen befreundeten Händler Euro 800,-- bezahlt, weshalb ich dieses Angebot nicht ausschlagen wollte. Ich muss hierbei jedoch so ehrlich sein und hinzufügen, dass der Kauf ohne vorherige Begutachtung stattgefunden hat und ich somit "auf gut Glück" zugegriffen habe - ich wurde nicht enttäuscht.

Zustand des Kaufes

Bild
Bild 2: Kaufzustand (erkennbar der farbliche Unterschied des Klappschaftes und des Gehäuses)

Die Waffe kam bei mir ganz schlicht in einem Karton und war mit Fettrückständen bedeckt, was stark an Arsenalfett erinnert hat. Nach einer Recherche gibt es zur Firma ISD Bulgaria mehrere Angaben, was die Herstellung von AK-Varianten betrifft. Augenscheinlich werden bei der vorgestellten Variante Surplus-Teile aus Arsenalwaffen verwendet und mit einem eigens gefertigten Gehäuse kombiniert. Das erklärt mE auch die farblichen Unterschiede mancher Komponenten. Bei zwei Modellen habe ich unterschiedlich gefertigte Klappschäfte wahrnehmen können. Überdies soll es sich hierbei um eine Kopie der Arsenal SAM7UF 85 Classic handeln, wie ein Forennutzer in einem anderen Thread mitgeteilt hat.

Mir ist sofort aufgefallen, dass die Mündungsmutter mit dem Lauf mittels eines Schweißpunktes fixiert ist. Dieser konnte jedoch leicht selbst mit einem Dremel aufgetrennt und die Rückstände abgefeilt werden. Die Selbstbrünierung von Ballistol hat den Rest erledigt.

Bild
Bild 3: Schweißpunkt an der Mündungsmutter

Positive Punkte

Ich habe bis jetzt ca. 800 Schuss mit verschiedener Munition gemacht. Standesgemäß wurden auch Magazine in schneller Schussfolge abgegeben, um die Belastbarkeit (ein wenig) auszureizen. Von Sellier & Bellot über Geco bis hin zu PPU, eine Zufuhr- bzw. Ausziehstörung und Ladehemmung gab es nicht. Magazine passen von Surplus bis Kunststoff, je nach Fertigung gibt es ein minimales Spiel bis hin zu einer (kleinen) erforderlichen Nachbearbeitung (jedoch nur bei AC-Unity Kunststoffmagazinen).

Der Abzug hat mich positiv überrascht. Ein minimales Kriechen ist vorhanden, man kann den Bruch des Schusses jedoch sehr gut einschätzen, was der Präzision zu Gute kommt:

Bild
Bild 4: Treffergruppe auf 100 m über Kimme und Korn mit PPU FMJ 8 g (123 gr)

Geschossen wurde auf 100 m mit PPU FMJ 8 g (123 gr) über Kimme und Korn. Nachdem das Korn ein wenig justiert werden musste, konnte die dargestellte Gruppe geschossen werden. Bitte verzeiht mir, dass ich den Streukreis nicht gemessen habe, das Foto wurde vor ein paar Monaten aufgenommen und ich bin leider nicht mehr im Besitz der Scheibe. Zusammengefasst kann jedoch festgehalten werden, dass die Präzision der Waffe mE mehr als zufriedenstellend ist.

Was die Verarbeitung der Waffe anbelangt, kommt das Sprichwort ins Spiel, dass jede Medaille zwei Seiten hat. Die "waffentechnisch relevanten Verbindungen und Komponenten" (Trunnion, Lauf, Nieten, Bolzen, Gehäuse und die Arretierung für das Gasrohr) sind sauber gefertigt. Der Gaskolben wackelt minimal im Verschlussträger, was bei AK Fertigungen jedoch keine Seltenheit darstellt.

Negative Punkte

Negativ aufgefallen ist mir die Oberflächenbeschichtung sowie der Klappschaft. Die Oberflächenbeschichtung gleicht einem billigen Ofenlack, der gerade im Bereich des Magazinschachtes schon stark abgenutzt ist. Der Klappschaft hat im geöffneten Zustand mE zu viel Spiel, was sich beim Schießen jedoch nicht bemerkbar macht. Mich persönlich stören diese Umstände nicht, da eine AK für mich ohnehin ein wenig rustikal und abgenutzt wirken soll. Wer jedoch eine Safequeen haben möchte, ist mit anderen Modellen (Saiga, WBP etc.) sicherlich besser beraten.

Bild
Bild 5: Die Oberflächenbeschichtung lässt zu wünschen übrig

Persönliche Modifikationen

Inzwischen (dauerhaft) verbaut ist der versteifte Gehäusedeckel (Suhler Fertigung), eine verstärkte Verschlussfeder, ein Verschlusspuffer, ein abgeschrägter "Kompensator" (Suhler Fertigung), ein Magpul MOE Griff, ein Magpul MOE Handguard (unterer Teil), ein PRO MAG Archangel OPFOR Handguard (oberer Teil) mit einer Picatinny Aufnahme und einem Burris Fastfire 2. Die Hardcore AK-Jünger mögen mich bitte nicht steinigen ;)

Die Austauschbarkeit der Teile ist so, wie man es sich bei einer AK 47 vorstellt - ab und zu waren minimale Feilstriche notwendig, um einen guten Sitz zu gewährleisten, Probleme konnte ich nie verzeichnen. Alles sitzt bombenfest, ein Spiel ist nirgendwo festzustellen.

Nachstehend ein paar Impressionen, da mein Modell mehrere Änderungen erfahren hat:

Bild
Bild 6: Die Standard-Version und die modifizierte (hier mit Magpul MOE RVG Griff und Tapco AK-74 Kompensator) im Vergleich

Bild
Bild 7: ISD BSR 47 inklusive PBS-1 Schalldämpfer

Bild
Bild 8: Da der PBS-1 Schalldämpfer mit Gummiblenden funktioniert, habe ich die Blende durch eine Aluscheibe ersetzt (eine Blende kostet an die 70 Euro und ist nach ca. zwei Magzinen zu ersetzen). Die Dämpfleistung ist nicht wirklich berauschend. Hierbei wären andere Modelle zu empfehlen, bswp. der SAI KSS AK47 Schalldämpfer.

Fazit

Alle, die eine kostengünstige AK 47 erwerben möchten, werden bei der ISD BSR 47 wohl nichts falsch machen. Sie hat so ihre kleinen Mängel, wer jedoch über verbesserungswürdige Oberflächenbeschichtungen, Spiel beim Klappschaft und kleine Änderungen (Auftrennen des Schweispunktes) hinwegsehen kann, wird mit diesem Model sicher seine Freude haben.
Pew Pew

Spitfire
.308 Win
.308 Win
Beiträge: 404
Registriert: Mo 4. Dez 2017, 10:24

Re: Testbericht zur ISD BSR 47 in 7,62x39 mm

Beitrag von Spitfire » Di 8. Jun 2021, 21:25

Vielen Dank für das ausführliche Review und herzlichen Glückwunsch zu der tollen Waffe!

V.a. die Streukreise überraschen mich positiv, die Muni ist ja von der Stange und etwas Schützenstreuung ist immer dabei.

Good job.

Viel Spaß mit dem Teil!

Antworten